Von der Scheune zur Vision – Ideen für den ländlichen Raum

Wie können Scheunen, Ställe und Hofanlagen zu lebendigen Orten für Wohnen, Arbeiten, Kultur und Gemeinschaft werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Veranstaltung „Scheune, Stall & Co.“ am 19. Juni 2026 im kultur.palais.lichtenstein. Zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Planung, Denkmalpflege, Kommunen, Initiativen und der Eigentümerschaft folgten der Einladung und brachten ihre Erfahrungen, Ideen und Perspektiven in die Diskussion ein.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Bürgermeister der Stadt Lichtenstein, Jochen Fankhänel, der die Gäste mit einem Grußwort willkommen hieß. Anschließend führten Ines Senftleben vom Regionalmanagement der LEADER-Region Schönburger Land und Andreas Hirt vom Denkmalnetz Sachsen durch das Programm.

Von Beginn an war spürbar: Der Wunsch nach Austausch, Orientierung und konkreten Lösungsansätzen für den Umgang mit ländlicher Bausubstanz ist groß. Genau hier setzte das vielseitige Veranstaltungsprogramm an.

Den fachlichen Auftakt gestaltete Ines Pöschmann-Panzer, Architektin aus Schlettau und Juryvorsitzende des Sächsischen Staatspreises für Ländliches Bauen. In ihrem Vortrag „Ländliche Hofanlagen zwischen Erhalt, Energie und Nutzung“ zeigte sie die Herausforderungen, aber auch die Chancen historischer Hofanlagen auf. Anhand ausgezeichneter Beispiele machte sie deutlich, wie qualitätsvolle Lösungen entstehen können, wenn Baukultur, Nutzung und Zukunftsfähigkeit zusammengedacht werden.

Fachliche Vielfalt in kompakten Impulsen

Die anschließenden Kurzvorträge beleuchteten unterschiedliche Facetten des Themas. Sarah Blacha stellte das Denkmalnetz Sachsen und seine Beratungsangebote vor, die zunehmend auch energetische Fragestellungen umfassen. Stefanie Feller vom Architekturbüro Hirt zeigte anhand praktischer Beispiele, wie denkmalgeschützte Gebäude behutsam energetisch saniert und individuelle Lösungen entwickelt werden können.

Dass nachhaltiges Bauen häufig auf vorhandenen Materialien aufbauen kann, verdeutlichte Stephan De Bona vom Naturbau-Campus Oschatz. In seinem Vortrag „Denkmalgerecht bauen mit regionalen Materialien“ warb er für den Einsatz traditioneller Baustoffe und eine ressourcenschonende Bauweise, die an die ursprüngliche Materialität historischer Gebäude anknüpft.

Wie leerstehende Gebäude wieder aktiviert und neuen Nutzungen zugeführt werden können, zeigte Ulrike Hippe von der Dezentrale Sachsen. Sie stellte erfolgreiche Beispiele gemeinschaftlicher Gebäudeentwicklung vor und berichtete offen über die Herausforderungen, die dabei zu bewältigen sind.

Den Abschluss des Vormittags bildete Steffen Pfrogner, Stadtplaner aus Potsdam. Er stellte den vom Brandenburger Landwirtschaftsministerium geförderten „Dorfdialog“ vor – ein Beteiligungsformat, das die Menschen vor Ort aktiv in die Entwicklung ihrer Dörfer einbindet. Sein zentrales Anliegen: Dorfentwicklung kann nur gelingen, wenn sie gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern gestaltet wird und nicht über deren Köpfe hinweg erfolgt.

Zukunft ländlicher Gebäude und Dörfer

Im anschließenden Podiumsgespräch wurden unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt – von Eigentümern über Denkmalpflege und Planung bis hin zu kommunalen Akteuren und Initiativen. Diskutiert wurden unter anderem die geplanten Änderungen des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes und deren mögliche Auswirkungen auf den ländlichen Raum. Auch die Chancen und Risiken des sogenannten „Bauturbos“ wurden kritisch beleuchtet. Die Diskussion machte deutlich, dass es neben geeigneten rechtlichen Rahmenbedingungen vor allem engagierte Menschen, Beratung und Kooperation braucht, um historische Gebäude erfolgreich in die Zukunft zu führen.

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